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Arme Bauern

"Ein Jahr zu viel Regen, das nächste Jahr zu trocken, dann zu kalt und dann hat Daimler zwei Jahre Lieferzeit"

Mit diesem Satz bin ich (geboren in den 60ern) aufgewachsen.

Seit ich mich bewusst erinnern kann, geht es den Bauern schlecht. Wenn es hagelt, zu viel regnet, zu heiß ist, zu kalt ist, .... kommt der Ruf nach staatlicher Hilfe. Wenn der Preis für Milch, .... zu niedrig ist kommt der Ruf nach staatlicher Regulierung. Wenn der Weltmarkt anzieht, hat noch kein Bauer wegen zu hohem Einkommen geklagt. Was die Bauernfunktionäre wollen, ist freies Unternehmertum mit Vollkaskomentalität beim Eintreten von Risiken. Bezahlen sollen diese Risikoabsicherung die, die nie eine eigene Wohnung, Haus, ... besitzen werden, damit die, bei denen der Bauplatz für die nächsten drei Generationen schon gesichert ist, weiter auf hohem Niveau jammern können. Wer produziert, ohne auf den Markt zu achten, geleitet nicht von den Interessen der Verbraucher  sondern von den Subventionsrichtlinien (siehe Mehrfachantrag-Online), braucht sich nicht zu wundern, wenn dieses "Unternehmertum" langfristig scheitert.

Landwirte, die sich aus dieser Unternehmer-Vollkaskomentalität lösen, auf Subventionen verzichten und regional auf die Bedürfnisse ihrer Kunden (nicht Subventionszahler!) eingehen, werden auch in Zukunft ein sicheres, weil politisch unabhängiges, Einkommen haben. Subventionen werden bezahlt, damit die Landwirtschaft wettbewerbsfähig ist. Da alle europäischen Landwirte Subventionen bekommen steigt dadurch nicht die Wettbewerbsfähigkeit, sondern nur die Kosten für alle Steuerzahler erhöhen sich.

Niemand zwingt einen Landwirt seinen Beruf auszuüben. Er kann "zusperren", behält seinen Grund und kann dann als Arbeitnehmer das sorgenfreie und überbezahlte Leben eines abhängig Beschäftigten führen. Arbeitsplatzsorgen, lange Fahrtwege, niedrige Einkommen und steigende (Lebensmittel-) Preise treffen in erster Linie abhängig beschäftigte Nicht-Bauern.

Ich wünsche mir einen Bauernverband, dessen Vorsitzender und dessen Mitglieder betonen, dass sie diesen Beruf freiwillig und gerne ausüben. Fordern sie die Abschaffung aller landwirtschaftlichen Subventionen in Europa, die Schaffung ähnlicher Umweltstandards und gesetzlicher Vorgaben in Europa und stellen sie sich dem Wettbewerb - dann werden die Bauern ein vom Markt bestimmtes, von der Politik unabhängiges, gutes Einkommen haben.