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Abitur

Endlich geschafft!
Aufatmen - durchatmen - zurücklehnen

Mit dem Abitur wird die Befähigung zum Studium an einer europäischen Hochschule nachgewiesen. Man sollte also erwarten, dass der Großteil aller Abiturienten ein Studium bewältigen sollte. Besonders wenn man die Noten / Durchschnittsnoten betrachtet. Am Joseph-Bernhart-Gymnasium in Türkeim bestanden von 87 Schülern 36 mit einem Notendurchschnitt von 1,9 und besser. 18 Schüler erreichten eine Note besser als 1,5. Der Gesamtnotendurchschnitt lag bei 2,12. Ähnlich inflationäre Notenverbesserungen sind an allen Gymnasien zu beobachten.
Mit der Note 3 sollte i.d.R. benotet werden, wenn ein Schüler ca. 100 Prozent des Unterrichtsstoffes wiedergeben kann.
Kann der Schüler die 100 Prozent sicher wiedergeben und unter Anleitung auf neuartige Aufgaben anwenden, ist die Note 2 zuzuerkennen.
Kann der Schüler 100 Prozent sicher wiedergeben und selbständig auf neue Anwendungen weit über das übliche Maß hinaus anwenden, ist die Note 1 zuzusprechen.
Der Durchschnittsschüler in Türkheim kann also 100 Prozent des Unterrichtsstoffes wiedergeben und auf neue Probleme anwenden - Wahnsinn, wie gut die sind.
41 % haben eine 1 vor dem Komma und 21 % der Türkheimer haben sogar die Note 1. In Bayern muss die Intelligenz im Trinkwasser sein.
Wieso beenden dann 50 - 60 % aller Studienanfänger in MINT-Fächern ihr Studium nicht? Sind die Studienabrecher alle aus anderen Bundesländern - die nach bayerischer Lesart "eh alle nicht so viel können wie die Bayern"? Der gesamte bayerische Abiturdurchschnitt ist der zweitbeste in ganz Deutschland, obwohl das G8 angeblich schwerer ist als das G9 und die Prüfungen genauso angeblich schwerer als in Restdeutschland.
Da ich nicht glauben kann, dass bayerische Kinder durchschnittlich intelligenter oder fleißiger sind als nichtbayerische Kinder, muss es einen anderen Grund geben. Vielleicht sind die Vorbenotungen, die  Bewertungskriterien und die Prüfungen mittlerweile so ausgelegt, dass Bayern "vorn" bleibt, unabhängig von Schülerleistungen und -fähigkeiten, besonders wenn man die Aussagen der Lehrer miteinbezieht, dass immer mehr Kinder ohne ausreichende Fähigkeiten das Gymnasium besuchen und beenden.

Anhang Abiturfeier 1:
Drei Mal durfte ich Abiturfeiern erleben und - ganz ehrlich - ich kann dieses "Elitegeschwafel" von Schulleitern, Lehrern, Elternbeiräten und Schülern nicht mehr hören. Elite ist eine kleine Minderheit mit besonderen Fähigkeiten - nicht 30 bis 50 % eines Schülerjahrgangs! Die Abiturienten haben einen Schulabschluss erreicht, nicht mehr und nicht weniger.

Anhang Abiturfeier 2:
Es wird viel gelobt bei Abiturfeiern.
Schüler bedanken sich bei Lehrern, die sich in ihren Augen besonders engagiert haben - tut diesen Lehrern gut!
Der Schulleiter bedankt sich bei seinen Lehrern öffentlich für die Arbeit - überflüssig, dafür werden sie gut bezahlt - das ist ihre Arbeit!
Die Lehrer bedanken sich bei ihrem Schulleiter öffentlich für die Unterstützung und hervorragende Arbeit - noch überflüssiger, dafür wird er noch besser bezahlt - das erwarte ich!
Sie finden diese öffentliche Anerkennung richtig? Dann stellen sie sich folgende Situation vor: Sie holen ihr Auto aus der Werkstatt, aber bevor sie die Schlüssel bekommen, holt der Chef die zwei Mechaniker, lobt sie in ihrer Anwesenheit für ihre hervorragende Arbeit und die Mechaniker danken dem Chef für seine Unterstützung. Sie wissen in dem Moment aber noch nichts über die Qualität der Arbeit, müssen sich aber gegenseitige Lobhudelei anhören.


Eingestellt: 04.07.2015