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Familienförderung

Im Baugebiet an der der Fellhornstraße in Lindenberg wurden alle Familien, welche ihr Baugrundstück im Einheimischenmodell erwarben, mit 10000 € pro Kind (jünger als 10 Jahre) bzw. 5000 € pro Kind (10-18 Jahre) gefördert. Allen Geförderten sei dies vergönnt, da sie eine Förderung wahrnahmen, welche ein früherer Stadtrat so beschloss.
Ist diese Familienförderung im Rahmen des Einheimischenmodells noch zeitgemäß?
  • I. d. R. erhalten nur Familien mit mindestens zwei Kindern den Zuschlag im Einheimischenmodell. Theoretisch haben auch "Nureinheimische" ohne Kinder die Möglichkeit ein Baugrundstück zu erwerben, aber die Punktevergabe im Bewerbungsverfahren schließt das praktisch aus.
  • Im nun zu vergebenden Baugebiet Ost wird ein durchschnittlicher Bauplatz (550 m²) im Einheimischenmodell ca. 140000 € kosten. Wird das Grundstück unter Ausnutzung des Baurechts (GRZ 0,4) bebaut, wird das Haus ca. 220 m² Wohnfläche haben. Dies bedeutet unter Zugrundelegung der Baukosten von ca. 2000 € pro Quadratmeter Wohnfläche, reine Baukosten von ca. 440000 €. Nimmt man die durchschnittlich erstellte Hausgröße im letzten Baugebiet „Fellhornstraße“ von niedrig geschätzten 160 m² Wohnfläche pro Haus als Grundlage, erhält man reine Baukosten von ca. 320000 €.
  • Die Gesamtkosten (140000 € Grundstückserwerb und Baukosten von 320000 /440000 €) belaufen sich also auf mindestens 460000 - 580000 Euro.
  • Sollte ein Familie mit zwei Kindern wirklich auf diese 20 000 € angewiesen sein – was sich in der Fellhornstraße an der Größe der Häuser nicht erkennen lässt -  dann könnte die Wohnfläche des Durchschnittshauses vom Bauherrn auch um  ca. 10 m² verringert werden – ohne dass dadurch beengte Verhältnisse entstehen.
Ein Anspruch auf Förderung beinhaltet in meinen Augen eine gewisse Bedürftigkeit. Ich kann bei Familien, welche sich ein Haus für ungefähr eine halbe Million Euro leisten können, keine Bedürftigkeit erkennen, die eine zusätzliche Förderung von 10000 Euro pro Kind nötig erscheinen lässt.
  • Gleiches gilt analog für die nun beschlossene Förderung von 7,50 € Nachlass pro Quadratmeter Baugrund und Kind unter 10 Jahren. Hier ergibt sich zwar "nur" eine durchschnittliche Förderung von 8250 € bei Familien mit zwei Kindern - aber nötig ist dieses Geschenk nicht.
Das Einheimischenmodell ist faktisch eine Familienförderung, welche Bauwerber durch den günstigeren Baulandpreis (550 m² für 137500 € statt 180000 €) mit durchschnittlich 42500 € entlastet. Diese Familienentlastung kostet die Stadt Buchloe ca. 935000 € - für 22 Familien! Hier zusätzlich noch eine Familienförderung aufzusatteln, ist sozial unausgewogen, da nur einige wenige wohlhabende Familien profitieren.
Es geht noch besser!
Die Familienförderung aus „Gerechtigkeitsgründen“ auch auf das „Nicht-Einheimischenmodell“ auszuweiten, bedeutet, Familien welche noch mehr Geld für ein Haus ausgeben können, zu fördern.

Familien, welche keine halbe Million Euro für ein eigenes Haus aufbringen können, müssen im Kindergarten und in der Krippe die gleichen Gebühren bezahlen, ohne jemals mit mehreren Tausend Euro beschenkt zu werden. Das bei der sogenannten „Familienförderung“ einzusparende Geld sollte so eingesetzt werden, dass alle Familien etwas davon haben. Das könnten Kindergärten, Krippen oder die Jugend- oder Gesundheitsförderung sein – dann haben alle etwas davon.

zum Schluss: Es wurde mir - nicht zum ersten Mal - vorgeworfen, eine Neiddiskussion anzuzetteln. Ich neide niemanden sein Haus - toll wenn sich jemand heute noch ein Haus leisten kann. Aber muss man die "Sonnenseite" zusätzlich mit dem Vermögen der Stadt unterstützen, wenn auf der "Nicht-Sonnenseite" günstiger Wohnraum fehlt?


Eingestellt: 20.05.2017