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Der "Bürger"

Der "Bürger" - wer ist das?
  • Der "Bürger" meldet sich immer dann zu Wort, wenn er nicht zufrieden ist oder irgendjemand (meist ein Kommunal/-Politiker) etwas falsch bzw. nicht richtig genug macht. Wenn der "Bürger" zufrieden und von Entscheidungen nicht betroffen ist oder Entscheidungen zu seinen Gunsten gefällt werden, ist der "Bürger" unsichtbar.
  • Der "Bürger" ist für die Schaffung von Arbeitsplätzen, aber jede Gewerbeansiedlung in seiner Nähe ist nicht zumutbar.
  • Der "Bürger" ist gegen Flächenverbrauch, hat er doch bereits eine Wohnung oder ein Haus und einen Arbeitsplatz. Seine Meinung ändert er erst, wenn die eigenen Kinder ein Haus bauen wollen - dann ist der Flächenverbrauch - am besten 800 Quadratmeter für ein Grundstück - man will ja nicht so aufeinander sitzen - gerechtfertigt.
  • Der "Bürger" ist für die innerörtliche Nachverdichtung um Neubaugebiete zu vermeiden, aber bitte nicht auf dem Nachbargrundstück und schon gleich garnicht unter Ausnutzung des Baurechts, da dann ein wenig Schatten auf das eigene Grundstück fallen würde.
  • Der "Bürger" möchte eine verkehrsberuhigte Zone vor der eigenen Haustür, weil fremde Autos "bäh" sind, fährt aber selber jeden Meter mit dem Auto - meist an anderen Häusern vorbei und auf keinen Fall langsam, weil man selber wichtig ist und keine Zeit hat.
  • Der "Bürger" möchte Natur und ist bereit jeden innerörtlichen Baum zu schützen, vorausgesetzt er wächst jemand anderem in die Regenrinne oder verschattet jemand anderem den halben Garten.
  • Der "Bürger" lässt Fußwege schließen, weil sie nicht im Bebauungsplan enthalten waren, hält sich aber bei der Zaunhöhe oder der Grundstücksentwässerung selbverständlich nicht an den Bebauungsplan, da dort nur Blödsinn drinsteht.
  • Der "Bürger" hält eine Familienförderung in Neubaugebieten, von denen er oder seine Verwandten und Freunde profitieren, obwohl sie sich ein Haus für 500000 € leisten können, für angemessen. Kindergartengebühren, welche sich am Einkommen orientieren, sind allerdings unsozial.
  • Der "Bürger" ist für die Schaffung von günstigem Wohnraum, aber bitte nicht mit seinem Steuergeld oder in seiner Nachbarschaft, da das (Wohnungsbau) den dörflichen Siedlungscharakter stört.
  • Der "Bürger" möchte alle Vorteile des Wohnens in der Stadt nutzen, setzt dabei aber ein dörfliches Lebensumfeld voraus.
  • Der "Bürger" ist für Umweltschutz und gegen die Klimaerwärmung. Deswegen kauft er sich einen "sparsamen" Geländewagen für die Stadt und fliegt nur noch zweimal in den Urlaub.
  • Den "Bürger" interessiert das Gemeinwohl, dem die gewählten Vertreter in den Parlamenten verpflichtet sind, nur dann, wenn es ihn nichts kostet, ihn nicht benachteiligt und ihm am besten einen Vorteil bringt. Trifft dies nicht zu, machen "die da oben" selbstverständlich Mist.
  • Der "Bürger" sieht meist seine Interessen im Vordergrund und erwartet das auch von allen anderen - sonst wird er individuell benachteiligt.
  • Der "Bürger" fühlt sich gerne von "denen da oben" in seinen Rechten beschnitten oder benachteiligt, ist aber nicht bereit "denen da oben" zu zeigen wie es besser geht, indem er sich kommunalpolitisch engagiert.
Der "Bürger" kann natürlich auch eine "Bürgerin" sein.


Eingestellt 22.04.2017